Die Gewinner des Gedichtwettbewerbs 2007
"Liebe in all ihren Facetten" stehen fest!

1. Platz - dotiert mit 200 Euro

Wolfgang Nöckler (28)

Nur ein Mensch

Die Berührung durch einen Menschen
Kann nur ein Mensch vollbringen
Ein gesprochenes Wort in dieser Weise verstehen
Kann nur ein Mensch

Den Traum einer Nacht
Kann nur ein Mensch erinnern
Einen Wunsch auf den Lippen
Hat nur ein Mensch

Einen Kuss erwidern
Kann nur ein Mensch
Was dazu fehlt
Ist nur ein Mensch


* * *


2. Platz - dotiert mit 100 Euro

Dominik Opalka (18)

Vom Feuer sprechen, ohne Flammen zu sehen

Verlernt man es schnell,
wenn man zum Leben bereit?
Wie weit man's versteht,
ohne falsches Geleit?

In den Tagen des Glückes:
heuchelnde Hormone -
zersetzt jedes Herz,
zerbrochen die Krone

des Gefühls, dass man kennt
auf den Wegen zu zweit.
Inwiefern es erkennt,
so wie wir durch die Zeit,

ist noch unlösbar verdeckt
durch die Unberechenbarkeit.
Aber wenn man es weckt,
macht es die Ewigkeit weit.

Zuviel gibt es heute,
was darüber gesagt,
so erfährt man das Schönste
als unendlich verklagt.


* * *


3. Platz - dotiert mit 50 Euro

Hans- Werner Aschoff (53)

Liebeslied

Ich könnte mit dir Pferde stehlen,
Bäume ausreißen,
bis fünf Milliarden zählen,
du die eins, ich die zwei,
und die vier, wenn du die drei
und so weiter, Zahl um Zahl,
jeder abwechselnd ein Mal,
will mit Dir in diesen Zeiten
Hühner satteln
und nach Laramy reiten.
Will mit Dir in die Tiefsee tauchen
nur eine Flasche,
die wir beide brauchen,
und werde Dir vom Tiefseerücken
Sternentaler pflücken.
Ich will mit Dir den Weltraumflug
nur in einem Raumanzug,
in dem wir überleben müssen
-und dann will ich Dich küssen.


* * *


4. bis 7. Platz - je ein Freiexemplar von "Liebe in all ihren Facetten"


4. Platz

Kurt May (66)

Das ist die Liebe

Das liebt sich nicht und liebt sich immer wieder,
Ein Menschenkind und noch ein Menschenkind.
Das schweigt und lacht und schenkt sich Leid und Lieder,
Das schaut ins Herz, erkennt und bleibt doch blind.

Das steigt in Himmel und stürzt kopfwärts nieder,
Klebt fest an Augen und schwebt mit dem Wind.
Das baut an Ängsten, schneidet Freudenflieder,
Das jubelt Seligkeiten, pflegt den Grind

Der selbstverschuldeten und schwären Wunden.
Das schmunzelt, und die Götter schmunzeln mit.
Das schafft ein Wunder in ein paar Sekunden
Und hasst sich plötzlich oder lacht zu dritt.

Das ist die Liebe, ein Zusammenschmelzen,
Und wo sich Zwei vor Kummer schlaflos wälzen.


* * *


5. Platz

Hanno Raichle (29)

Nachtwach

Wie es ist, alleine da zu sitzen,
ohne Ohren, Augen oder Mund,
kann dir keiner sagen:
Gedanken ins Fensterglas zu ritzen
ist vielleicht ein Teil davon und
als Tantalus nie Zigaretten zu finden,
dabei den Finger stumm ins Telefonkabel zu winden.
Dein Sofa hockt schattig hinterm Mond
und in der Kirche brennt immer noch das Licht,
obwohl kein Gott mehr da oben wohnt,
nur die Nacht, die dir keine Schlaftabletten auf die Augen steckt.
Kein Kuss, der sich in den Buchten ihrer Lippen bricht
und sich dann als warmer Körper über dich deckt,
so dass du vergessen darfst, wie es ist,
wenn das Bett zu groß für dich alleine ist.


* * *


6. Platz

Anna Katharina Ausserer (32)

Zeitvertrieben

Zwischen uns liegt bräsig Zeit
Zeit des Anfangs
Mit vollen Händen hat sie jemand ausgeleert
Geteert damit die Wege, die wir nahmen
Die Ecken der Stadt gefüllt
Hinten dort beim Steinbrunnen
Liegt sie noch die Zeit
Gleich neben einem Versprechen, das du gabst
Und beim Rapsfeld liegt sie
Eingejätet in den Boden
Hoch
Für Augen unsichtbar
Auf einem Wetterhahn hängt
Ein Fetzen Zeit
Am Hauptplatz beim Konditor
Eingeknetet
In den Teig der Torten
Liegt noch Zeit
Am Bahnhof, Gehsteig
Und im Weiher
Liegt sie, die Zeit
Von uns dort ausgebracht
Mit vielen Wünschen, wuchs sie, keimte und gedieh
Jetzt da du weg bist
Seh ich sie erst
Die Zeit


* * *


7. Platz

Lotte Brügmann-Eberhardt (86)

Was ist Liebe?

Liebe ist unbeschränktes Vertrauen.
Wo Zweifel sich regt,
ist sie bedroht.
Liebe ist miteinander reden.
Wo Schweigen bedrückt,
ist sie in Not.
Liebe ist, sich geborgen fühlen.
Wo Einsamkeit quält,
ist sie schon tot.


* * *


8. bis 10. Platz - Büchergutschein über 15 Euro


8. Platz

Dietmar Füssel (49)

Der Becher der Liebe

Sie haben
den Becher
der Liebe
bis zum letzten Tropfen
getrunken.

Sie haben
den Becher
der Liebe
nachdem er leer war
zerschlagen.

Sie brauchen
die Scherben
des Bechers
einander das Herz
zu zerschneiden.


* * *


9. Platz

Heinrich Beindorf (50)

Poetische Theorie (III)

Nachdem ich an dir
fast krepiert wäre
schon das Seil herausgeholt
Rasierklingen gebunkert
medikamentöse
Vorkehrungen
getroffen hatte
nach all den Wochen
des Heulens Wütens Taumelns
durch teerschwarzen
Nebel

habe ich mich
schließlich
meines Gewerbes besonnen
zur Strafe
mit letzter Kraft
ein Gedicht
über dich gemacht
und es eiskalt
verkauft.


* * *


10. Platz

Sonja Schultz (31)

Zwischen den Beinen

Ich bin nicht verliebt
ich hab's nur zwischen den Beinen
und drei Steine im Magen
Wut, Hass und Angst
du schaust mir in die Augen
als gäb's was dahinter
ich geb dir ein Lächeln
wenn du es verlangst
ich fahr mit den Fingern
an dir herunter
du öffnest den Mund
ich sag, was dir gefällt
und du wirst dich verlieben
und du wirst an mich denken
und am Schluß mich vermissen
in deiner Welt

und ich
bin ein Android
im fremden Körper
ein Agent
im freien Fall
mein Herz
ist der kälteste Platz im All





Und unsere drei Sonderpreisträger erhalten einen Büchergutschein über 10 Euro.


Jennifer Litzenburger (11)

Liebe

Wenn die Brandung
wild auf die Felsen
schlägt,
und das Meer
verrückt spielt,

Wenn der Wind
durch die kahlen Bäume
jault,
und der Sturm
die bunten Blätter
aufwirbelt

Wenn es plötzlich
ganz still
und leis wird
und
die ganze Welt
still steht

Wenn man die Liebe
förmlich
spüren kann

Dann hat der Himmel
still
die Erde
geküsst.





Sabine Streck (14)

Die Liebe fing an

So wunderbar
Und doch sonderbar.
Ein Schauer aus Bildern, Farben und Gefühlen.

Diese Zeit rast an mir vorbei,
Alles außer der Liebe war einerlei.
Es gab nichts, nur mich, ihn und das Glück.
Doch nichts führt zurück.
Diese glückliche Zeit war dem Untergang geweiht.

Ich dachte wir würden uns nie vergessen,
Ach, wie vermessen.

Das Bild vor meinen Augen verschwimmt,
Das Glück, das er mir gegeben, er mir wieder nimmt.

Meine Seele schreit,
Mein Herz weint,
Wenn ihr meint,
Das wäre nicht echt,
Diese glückliche Zeit hat sich an mir gerächt.
Für jedes Fünkchen Freude
Kam ein Regen Schmerz zurück.





Simon Jaudschus (10)

Das Beste

Du hast wunderschöne Augen,
würde ich es erzählen, würde es mir keiner glauben.
Ich war noch ganz am Boden,
Als ich dich sah, kam ich nach oben.

Ich habe es nie dazu gebracht,
ich will auch keine Macht.
Sehen will ich dich,
vielleicht du auch mich?

Ich wollte es mich nicht wagen,
ich wollte es schon immer sagen.
Mein Herz ist voller Gepoch,
ich will dich sehen immer noch.



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